Blutmond – Frequenzen in Materie bringen- 11/55 Thoughts

Blutmond – Frequenzen in Materie bringen

Zwischentöne im Raum mit Nadel und Faden greifbar machen.

Meine Malerei lebte lange davon, Schichten übereinanderzulegen und Bestehendes zu übermalen, um dann zu entscheiden, was ich vom Vergangenen wieder hervorhole oder im Bild behalten möchte. Dieser Prozess des Übermalens, Loslassens, Schichtens und Bewahrens führt mich heute in ein neues, altes Thema: die Fibre Art.

Das Nähen begleitet mich privat schon seit meiner Kindheit, später kam die Liebe zum Quilten hinzu. Doch seit Längerem spüre ich, dass es an der Zeit ist, mein Lieblingsmedium Stoff und Wolle fest in mein künstlerisches Portfolio aufzunehmen.

Pünktlich zum Blutmond am 03.03.26 habe ich mit einer Stickarbeit auf Filz begonnen. Nicht für ein pompöses Werk, sondern um bewusst in einen meditativen Prozess einzutauchen, so wie ich es oft zu Voll- und Neumond tue. Im Gegensatz zur Malerei erlebe ich das textile Arbeiten als eine sehr stille, andächtige Arbeit. Es erfordert eine ganz andere Form von Geduld als Pinsel und Spachtel – eine Ruhe, die ich als unglaublich angenehm empfunden habe. Es ist gelebtes Slow Living.

Blutmond ©️Sabine Kraus

Ich setze bewusst Stich für Stich und beobachte die Spur des Fadens – und doch ist es ein intuitives Entstehenlassen. Neben dem Blutmond formten sich wie von selbst Wellen und goldene Einzelpunkte. Die Wellen erinnerten mich an meine emotionalen Ups and Downs und daran, wie sehr mich das zyklische Leben der Natur beeinflusst. Wie eng ich mit diesen Rhythmen verbunden bin, auch wenn ich sie oft ignoriere. Die goldenen Spuren sind Sinnbilder für kosmische Einschläge – Impulse und Ideen, die uns in Fülle tagtäglich zufliegen.

Dieses kleine Bild bildet einen Gegenpol zur Welt da draußen. Hier ist nichts schnell, egozentrisch oder laut. Die Arbeit mit Nadel, Faden und Filz ist warm, heimelig und beruhigend. Sie erleichtert es mir, bei mir selbst anzukommen und dem Getöse der Welt seine Macht zu entziehen – Balsam für die Seele.

Diese Arbeit ist der Beginn von etwas, das meine Seele glücklich macht: Den Fokus radikal auf das zu legen, was für mich unter Slow Living fällt. Das Künstlerische ist dabei immer an den Inhalt gebunden, den ein Werk transportiert. Für mich ist dieser Weg eine Reise in die Einfachheit – der Versuch, die Essenz der Dinge sinnlich und greifbar zu erleben. Ein Soft Minimalism, der nicht durch Verzicht, sondern durch Tiefe und Wärme besticht.

Bei dieser Essenz handelt es sich um eine Frequenz, die ich im Raum wahrnehme. Ich lese und höre das, was jenseits von Worten schwingt. Mein Fokus liegt auf den Zwischentönen einer Situation oder Beziehung.

Diese möchte ich durch das Bild in die Materie bringen, wo sie auf ihre ganz eigene Weise wirken können.

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