Try and Error als Wegbegleiter - 16/55 Thoughts
Passend zum letzten Beitrag “Life is a lot like Jazz. Wer perfekt sein will, verliert den Flow“, ist mir genau das passiert, worüber ich geschrieben habe: Ich habe die Struktur und den Wunsch nach einem möglichst perfekten Ergebnis über den kreativen Flow gestellt.
Mein Verstand hat die vergangenen zwei Wochen die Regie übernommen, ich habe strukturiert und mir Gedanken gemacht, wie ich mich am besten sinnvoll positioniere und öffentlich zeige. Was ich dabei vergessen hatte: Dass ich diesen ganzen Marketing-Modellen schon immer mit Widerstand begegnet bin – auch im Bereich Coaching.
Schau dich mal bei Instagram oder YouTube um: Du findest unendlich viele Problemlöser-Videos, E-Books und Tipps, wie du dich als Künstlerin „richtig oder gut“ vermarktest, damit du besser verkaufst. Da fällt es einem nicht immer leicht zu entscheiden, was ein guter Weg für einen persönlich ist – zumindest mir nicht!
Ich habe neulich noch mit einer Freundin gesprochen, die Bildende Kunst studiert hat. Wir sprachen darüber, dass im Studium nicht gelehrt wird, wie man seine Kunst am besten verkauft. Es geht um Ausstellungen, Galerien und Präsenz, aber in Eigenregie zu verkaufen, steht nicht auf dem Lehrplan. Kunst hat da oft noch diesen extravaganten Touch, als bräuchte man als Künstler kein Geld – dafür gibt es ja Nebenjobs. Haha.
Vielleicht hat das mit dazu geführt, dass Künstler den Verkauf jetzt selbst in die Hand nehmen und sich nahbar zeigen: Storytelling, Atelier-Einblicke, Marketing. Das hat den Verkauf von Kunst über die letzten Jahre in ein anderes Licht gerückt. Nicht schlecht – nur suche ich da im Moment die Balance. Denn die Art, wie Künstler sich derzeit positionieren, ähnelt dem Coaching-Business doch sehr: Es geht darum, dem Käufer einen Nutzen klarzumachen und seine Probleme zu lösen. Verkaufsstrategisch ist das natürlich gut und richtig, da Kunst einen Nutzen erfüllt – besonders einen emotionalen und sozialen. Und dennoch blockiert bei mir an dieser Stelle immer etwas.
So war ich in den letzten zwei Wochen wieder in dieser Mühle gefangen, in der Vermarktung plötzlich wichtiger wurde als das Kunstmachen selbst. Ich kam sogar beim Sticken erst wieder in den Flow, als ich beschloss: Ich mache das nur für mich, nicht für irgendjemand anderen.
All My Waves (20×20 cm)
Zusätzlich bin ich gerade damit beschäftigt, mein Leben generell radikal zu vereinfachen, weshalb ich täglich ausmiste.
So habe ich in einer Ausmist-Aktion all meine angefangenen Manuskripte durchgeschaut. Das wiederum hat mich in die nächste Reflexionsphase gestürzt. Denn auch wenn das Thema Malerei und textile Kunst gerade in mir klarer wird, drängt mich meine innere Stimme, das Thema Schreiben zu klären. Und siehe da: Das Einzige, was ich von diesen Manuskripten wirklich weiterschreiben will, ist mein Roman. Frei, fiktiv und ohne Anspruch auf Problemlösung für irgendjemand anderen.
Diese Erkenntnis motivierte mich, erst mal ein neues Essay zu schreiben, wofür ich in den letzten zwei Wochen keinen inneren Raum finden konnte.
Hier also mein Fazit:
Ich schreibe meinen Roman weiter! Ich hole das freie Schreiben mehr in meinen Alltag. Daher werde ich die Essays jetzt nur noch alle 14 Tage schreiben, ebenso die Soft-Living-Impulse.
Der ganze Marketingkram samt Skalierung kann mir gerade mal den Buckel runterrutschen. Ich baue einen kleinen Webshop auf, der bis Ende Mai online sein soll. Dort wirst du Originale und limitierte Drucke kaufen können. Im Moment bin ich noch mit Musterdrucken, Rahmungen und der Auswahl der ersten Limited Edition beschäftigt.
Auf meiner Liste zur weiteren Vereinfachung steht noch das Gespenst Social Media. Dazu werde ich wahrscheinlich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal Stellung beziehen, wenn ich mehr Klarheit darüber habe, was wirklich zu mir und meinem neuen Rhythmus passt.
Ich merke: Mein Weg weg von der Therapie und dem Coaching hin zur Kunst ist ein „Try and Error“-Weg. Erst wenn ich aktiv drin bin, merke ich, wofür ich wirklich Energie zur Verfügung habe – denn mein Kopf hat deutlich mehr Ideen, als mein Körper derzeit Umsetzungsenergie besitzt.
Am Ende macht das alles Sinn.
Das Scheitern gehört zum Finden neuer Wege dazu. Auch die Zeiten, in denen der kreative Fluss scheinbar nicht fließt und man sich mit anderen Dingen beschäftigt. Letztendlich führt einen das immer wieder zum Kern zurück. Bei mir ist es wie ein Sammeln und Verdauen von Informationen und Emotionen, bis dann ein neuer Motivationsschub kommt und ich wieder einen Schritt weiterkomme.
In diesem Sinne: Das Leben ist nicht linear. Der Zugang zu uns selbst und der inneren Stimme leitet uns – auch wenn es manchmal bedeutet, neben den heißbegehrten Abkürzungen mal eine Extrarunde zu drehen.
Alles Liebe, Sabine
Passend zu diesem Essay habe ich einen neuen Soft Living Impuls geschrieben. Darin teile ich, wie ich als hochsensible Synästhetin durch radikales Ausmisten wieder Raum zum Atmen schaffe.
👉 Hier geht es zum Impuls: Wenn Ausmisten zur inneren Stille führt