Lebendige Spuren -Kunst & Teilhabe im Hospizkontext
Gemeinsam begeben wir uns mit 20 Bewohner:innen einer Einrichtung für Menschen mit kognitiven bzw. mehrfachen Beeinträchtigungen auf eine kreative Reise durch verschiedene Lebensphasen: vom Beginn über Wachstum und Wandel bis hin zu Erinnerung und Gemeinschaft. Jede Phase entspricht einem Lebensabschnitt und bildet eine eigene künstlerische Einheit. Dabei gestalten die Teilnehmenden ihre individuellen Spuren, die sich am Ende in einer gemeinsamen Ausstellung zu einem großen, verbindenden Ganzen fügen.
Phase 1: Spuren im Beginn – Ursprung, Natur & „Hier bin ich“
Das Puzzle der Gemeinschaft: Jede/r gestaltete ein individuelles Puzzlestück mit dem eigenen Namen – ein Symbol dafür, dass jede einzigartige Spur ein unverzichtbarer Teil des großen Ganzen ist.
Freies Aquarellieren: Ohne Vorgaben ließen wir Farben fließen. Es entstanden sehr persönliche Werke, die die Individualität und das aktuelle Gefühl jeder Person widerspiegeln.
Fährten & Hände: Inspiriert von Waldgeschichten gestalteten die Teilnehmenden ihre Handumrisse mit Pastellkreiden. Die Hand als persönlichstes Werkzeug wurde so zum bunten Zeichen für das „Hier bin ich“.
Phase 2: Blühende Spuren – Selbstwert & Wachstum
In der zweiten Phase unserer Reise rückten das bewusste Entfalten und der eigene Wert in den Mittelpunkt. Die Teilnehmenden erlebten ihre eigene Spur als wachsendes, blühendes Leben, das in wertvoller Beziehung zu sich selbst und anderen steht.
Blüten der Persönlichkeit: Mit Aquarellfarben, Pastellkreiden und Stiften gestalteten die Teilnehmenden individuelle Blüten in verschiedenen Größen. Ob als Symbol für sich selbst oder als Geschenk für einen geliebten Menschen – jede Blüte ist ein Unikat. In der späteren Ausstellung werden diese zu einem beeindruckenden „Blumenmeer“ zusammengeführt.
Das persönliche Leporello: Als Begleiter durch das Projekt gestaltete jede/r ein farbenfrohes Leporello. Es dient als ganz persönliche Dokumentation, in der Fotos der Treffen gesammelt werden – eine bleibende Erinnerung an die eigene Spur im Prozess.
Der Baum der Dankbarkeit: Große Bambusstäbe wurden mit Acrylfarben zu lebendigen Baumstämmen. Daran wurden gestaltete Herzen, Sterne und Blätter gebunden, die mit persönlichen Botschaften beschriftet wurden:
🩷 Herz: „Ich bin dankbar für…“
🍃 Blatt: „Das tut mir gut!“
✨ Stern: „Ich denke an…“
So entstand ein tiefgehender Bezug zu Themen wie Wertschätzung, Erinnerung und Gemeinschaft.
Phase 3: Spuren im Wandel – Licht, Farbe & Universum
In dieser Phase machten wir den Wandel als natürlichen Teil des Lebens sowie die Weite des Universums sinnlich erfahrbar. Der Fokus lag auf dem Zusammenspiel von Licht und Schatten, dem Sichtbaren und dem Verborgenen sowie der eigenen Verbundenheit mit dem großen Ganzen.
Der Fluss der Zeit: In Gemeinschaftsarbeit entstand ein großes Flussbild aus 16 Einzelelementen. Umrahmt von den Jahreszeiten macht dieses Werk sichtbar, wie Zeit vergeht, sich wandelt und stetig Neues hervorbringt.
Lichtspuren & Lichtermeer: Mit farbigem Seidenpapier gestalteten die Teilnehmenden transparente Klebebilder. Durch Schichtung und Leuchten entstand ein „Lichtermeer“, in dem sich viele individuelle Spuren zu einem strahlenden, lebendigen Feld verbinden.
Sterne & Planeten der Identität: Filigrane Seidenpapier-Sterne stehen für leuchtende Momente und Spuren, die im Universum bleiben. In persönlichen Planetenbildern setzten sich die Teilnehmenden zudem künstlerisch mit ihrer eigenen Identität und ihrer Verortung im Kosmos auseinander.
So wurde der Wandel in Zeit, Licht und Identität als Teil des eigenen Seins erfahrbar gemacht.
Phase 4: Bleibende Spuren – Abschied, Verbindung & Erinnerung
In dieser abschließenden Phase widmeten wir uns den sichtbaren Zeichen unserer Begegnungen. Es wurde deutlich: Das Leben ist ein fließender Prozess bis zuletzt, in dem das Wirken des Einzelnen in der Erinnerung der Gemeinschaft weiterlebt.
Gemeinsame Spurenfänger: Angelehnt an das Prinzip von Traumfängern gestaltete jede/r Teilnehmer:in einen persönlichen „Spurenfänger“. Diese individuellen Symbole für Erlebtes wurden am Ende zu einem großen, netzartigen Ganzen verknüpft – ein kraftvolles Bild für unsere tiefe Verbundenheit.
Der Kreis schließt sich: Zum Abschluss kehrten wir zum Symbol der Hand zurück. Jede/r gestaltete erneut einen farbigen Handumriss als Erinnerung an das gemeinsame halbe Jahr. Auf einer großen Leinwand vereint, bilden diese Hände nun ein bleibendes Netz aus Vielfalt und Vernetzung.
So wurde aus vielen Einspurigen ein gemeinsames Feld der Erinnerung, das über das Projekt hinaus Bestand hat.
Phase 5: Der symbolische Lebensweg – Die Ausstellung
Zum Abschluss des Projektes führten wir alle entstandenen Werke im Gemeindehaus Waldbröl zu einem symbolischen Lebensweg zusammen. Die Ausstellung nahm die Besucher mit auf eine Reise durch die künstlerischen Stationen – vom Beginn über die Entfaltung bis hin zum universellen Eingebundensein.
Interaktive Spurensuche: Jeder Gast erhielt eine „Spurentüte“, um an den Stationen Symbole für die eigenen Lebensabschnitte zu sammeln. So wurde der künstlerische Prozess für die Öffentlichkeit greifbar und persönlich erfahrbar.
Dank an die Gemeinschaft: Ein herzlicher Dank gilt der Diakonie für die Förderung sowie dem Mobilen Hospizdienst der Johanniter und der HBW für die vertrauensvolle Kooperation.
Das Herz des Projekts: Mein größter Dank gebührt den Bewohnerinnen und Bewohnern der HBW, die über Monate mit unermüdlicher Begeisterung ihre Spuren hinterlassen haben, sowie den ehrenamtlichen Begleitern, die diesen Raum ermöglicht haben.
Ohne weitere Worte: Einblick in die Momente der Ausstellung...