Joy wins

Ich beobachte immer wieder, dass wir uns mitunter in Beziehungen wiederfinden, die von unausgesprochenen Gefühlen und Doppelbotschaften geprägt sind. Und ich frage mich, welcher Samen in einer solchen Dynamik liegen könnte – und was sich in dieser Art der Begegnung entfalten möchte.

Genau mit dieser inneren Ausrichtung habe ich 2025 begonnen, Joy Wins zu malen – mit dem Blick auf das, was sich in einer Begegnung andeutet und dem wir oft zu wenig Aufmerksamkeit schenken.

Gleichzeitig begleitete mich damals ein Körpergefühl, das ich auch heute noch in solchen Dynamiken wahrnehme: eine Art Flirren in mir und im Raum. Dieses Gefühl wollte ich im Malprozess erkunden – nicht als etwas Störendes, sondern als etwas, das eine besondere Qualität in sich trägt. Vielleicht eine Art der Begegnung, in der etwas Lebendiges liegt, das noch keine Ausdrucksform gefunden hat.

Doch was möchte sich in diesem Flirren zeigen? Was möchte aufblühen? Freude, Verständnis und Liebe – selbst wenn sie sich zunächst verstecken.

Zudem kam mir der Vergleich mit einem Flirren, das in der Natur entsteht, wenn Sonnenstrahlen sich in unruhigen Luftschichten brechen und dieses Flirren unsere Sicht trübt. Und mir kam der Gedanke, den Versuch zu starten, dies auf unsere Gefühlswelt zu übersetzen.

In der Natur prallen warme und kalte Luft unkontrolliert aufeinander. In Beziehungen treffen Nähe und Distanz unkontrolliert aufeinander, sodass das Flirren eine Form von Alarmbereitschaft sein kann. In der Natur verschwimmen dann die Linien am Horizont – man sieht nicht mehr genau, was real ist und was nicht. Im Körper ist es ähnlich: Man verliert sich und fühlt sich nicht stabil im eigenen Fundament.

Das Flirren in der Natur endet erst, wenn der Boden abkühlt oder ein starker Wind die Luftmassen trennt. Auch in Beziehungen beruhigt sich dieses körperliche Flirren bei mir erst, wenn eine klare, verlässliche Botschaft kommt – sei es von mir oder dem Gegenüber – wenn erkannt und bestenfalls auch benannt werden kann, was das Flirren ausgelöst hat.

Am Ende zeigt das Bild Joy wins Knospen in einer frischen Farbigkeit und einer leicht flirrenden Umgebung. Manche Knospen sind noch geschlossen, andere öffnen sich bereits leicht.

Für mich ist es ein symbolisches Bild dafür, dass nicht alles gleichzeitig blühen muss, um lebendig zu sein – ebenso wie sich auch unsere Beziehungen in unterschiedlichen Stadien der Entfaltung befinden. Das Flirren des Lichtes weist uns in diesem Zusammenhang möglicherweise auf das hin, was an Freude, Liebe und Verbundenheit bereits da ist, auch wenn wir es nicht auf den ersten Blick erkennen.

Joy wins⎜Acryl auf Leinwand⎜60 × 90 × 4 cm⎜2025

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