Das Fundament unter den Wellen
Mein letztes Essay endete mit der Erkenntnis, dass das Beschäftigen mit vermeintlich falschen Dingen dazugehört. Und genau mit diesem Thema war ich die letzten elf Tage erneut beschäftigt. Und bei allem, woran ich gearbeitet habe, tauchte in mir dieselbe Frage auf: Die Frage nach dem Fundament dahinter.
Neben den äußeren Säulen wie Wissen, materiellem Besitz oder der Familie geben uns vor allem unsere Fähigkeiten – wahrzunehmen, zu fühlen, zu denken und uns zu bewegen – Kraft. Es ist die Art, wie wir die Welt mit unseren Sinnen erfassen, unseren eigenen Körper spüren, Eindrücke sortieren, um sie zu verstehen, sowie unser instinktives und intuitives Handeln.
Meine Art der Wahrnehmung ist nicht für jeden verständlich oder nachvollziehbar. Einerseits, weil ich durch meine Hochsensitivität und Vielbegabung Reize sehr intensiv aufnehme. Andererseits, weil ich als Synästhetin Sinneseindrücke auf eine Weise vernetze, die für viele Menschen ungewohnt ist. Gott sei Dank gibt es aber Menschen, die das genau so nachvollziehen können und selbst kennen.
Beneath the waves ⎜( 20 ×20 )
In diesem Kontext ist meine Emotionalität für mich zentral. Sie fließt wie das Meer in Wellen. Aufgrund dessen habe ich oft das Gefühl, ich müsse strukturierter sein oder dürfe mich nicht mit anderen Themen auseinandersetzen. Fakt ist aber, dass mir diese Phasen, in denen ich vermeintlich schwimme – weil sie oberflächlich nicht zueinanderpassen –, im Anschluss helfen. Irgendwann kommt plötzlich der ausschlaggebende Impuls, und ich erledige im anschließenden Hyperfokus genau das, was ich will. Das ist genau das Sammeln und Verdauen, von dem ich sprach.
Diese Wellen schlagen zugegebenermaßen manchmal hoch und sind für mein Umfeld nicht immer angenehm. Heute, zum Neumond im Stier, habe ich diese Dynamik in einer neuen Textilarbeit eingefangen. Es macht Freude zu erkennen, dass dieses rhythmische Arbeiten einerseits eine Pause ist, gleichzeitig aber auch intuitiver künstlerischer Ausdruck. Jeder einzelne Stich wird bewusst durch meine Hand gesetzt. Meine Körperwahrnehmung leitet die Nadel, spürt den Widerstand des Stoffes und setzt diese innere Bewegung im Außen um.
Genau aus diesem Grund ist unser Körper das Fundament, denn er ist unser Wahrnehmungsinstrument. Ist er durch jedwede Art von Stress – wie Überreizung, Schlafmangel oder Nährstoffmangel – gestört, wackelt unsere Basis. Ein guter Kontakt zu unserem Körper und zu unserer eigenen Art, die Welt wahrzunehmen und mit ihr umzugehen – das ist deshalb zweifelsfrei eines der wertvollsten Fundamente, die wir haben.
Passend zu diesem Essay habe ich einen neuen Soft Living Impuls geschrieben. Darin teile ich, wie ich als hochsensible Synästhetin durch radikales Ausmisten wieder Raum zum Atmen schaffe.
👉 Hier geht es zum Impuls: Beneath the Waves: Warum dein Körper dein Fundament ist.